Kapitalzufluss und Kapitalabfluss in einer Baugenossenschaft

Für die rund 1'500 Wohnbaugenossenschaften in der Schweiz mit rund 200'000 Wohnungen gelten immer dieselben Regeln des Kapitalzuflusses und des Kapitalabflusses. Auf der Kostenseite fällt auf, dass der Gewinn nicht abgeschöpft, sondern in die Liegenschaften reinvestiert wird, respektive den Mietenden in Form von tieferen Kostenmieten zugutekommt.

Finanzierungsmodell einer Baugenossenschaft

Baugenossenschaften sind gegenüber anderen Gesellschaftsformen weniger kapitalintensiv, was das Eigenkapital anbelangt. Dies ist vor allem in der Startphase entscheidend. Mindestens 10 % des Investitionsvolumens müssen durch Anteilscheine abgedeckt sein.

Zusammensetzung des Eigenkaptials


Unverzinste Pflichtanteile

Unverzinste Pflichtanteilscheine sind vergleichbar mit Mietkautionen. In der Regel betragen sie in ländlichen Gegenden drei bis vier Monatsmieten aufgerundet auf ganze Anteilscheine (1 Anteilschein = 1'000 Fr.).

Verzinste freiwillige Anteilscheine

Um die 10% Eigenkapital der Investitionen zu erreichen, zeichnen private und juristische Personen freiwillige Anteilscheine, die ab Baubeginn verzinst werden. Bei gutem Geschäftsgang der Genossenschaft können diese bis auf die max. Höhe des Referenzzinssatzes (aktuell 1.5 %) ansteigen. Somit ist der Besitz von Anteilscheinen durchaus lukrativ - für Genossenschafter wie auch für die Genossenschaft selber!

Finanzierungsinstrumente für gemeinnützige Wohnbauträger

Bei der Finanzierung haben Baugenossenschaften einige Startvorteile: Erstens können sie von der öffentlichen Wohnraumförderung profitieren und zweitens hat die Genossenschaftsbewegung selbst Finanzierungsinstrumente für gemeinnützige Wohnbauträger geschaffen. Damit lässt sich die Eigenkapitaldecke bis auf die notwendigen 20% anheben, um von Banken die restlichen max. 80% des Fremdkapitals zu erhalten.

Spenden

Auch Spenden können eine Variante darstellen, um einen Teil des notwendigen Eigenkapitals zu generieren. Im Gegensatz zu den freiwilligen Anteilscheinen sind diese nicht verzinst und auch nicht mit einer Mitgliedschaft resp. einem Stimmrecht in der Genossenschaft verbunden.


Zusammensetzung des Fremdkapitals


Hypotheken

Den Löwenanteil des Fremdkapitals machen auch bei Genossenschaften die Hypotheken von Finanzinstituten aus. Über die Jahre können die Hypotheken jedoch sukzessive reduziert werden. Ältere Genossenschaften benötigen nur noch sehr wenig Fremdkapital aus Hypotheken.

Spareinlagen der Genossenschafter

Genossenschaften führen in der Regel eine Depositenkasse. Nebst den Anteilscheinen ist dies eine Möglichkeit für die Genossenschafter, Erspartes zu einem attraktiven Zinssatz relativ flexibel anzulegen. Spareinlagen werden jedoch leicht tiefer verzinst als die Anteilscheine, da der Kapitalrückzug ähnlich wie bei einem normalen Bankkonto flexibel gehandhabt wird. 

Zinslose Darlehen

Besonders attraktiv können zinslose Darlehen sein, um eine junge Genossenschaft in der Startphase zu entlasten. In diesen Fällen treten oft öffentliche Körperschaften wie Gemeinden und Korporationen oder allenfalls Firmen als Geldgeber auf.